Martinas Blog

Wie es ist, ein Buch zu schreiben




 

Anfang 2020 hatte ich die Idee, ein Buch zu schreiben über das, was ich schon seit 15 Jahre mache: Graphic Recording. Zugegeben vor 15 Jahren war das, was ich gemacht habe, eigentlich kein Graphic Recording, sondern eher ein großes ziemlich unstrukturiertes Bild mit einer Ansammlung von Irgendwas. Damals wusste es ja kaum jemand besser. Auch ich nicht. Und so kam es, dass aus einer Buchung die zweite resultierte, da saß dann jemand im Plenum, der für die dritte Buchung sorgte und schwups gings los. Was folgten waren harte, lustige, anstrengende, federleichte aber vor allen Dingen lehrreiche Jahre, in denen ich immer mehr lernte, wie es denn nun richtig geht. Ich habe viel von den Kommunikationslosten und bikablo gelernt und von diversen großartigen Kollegen, die immer alle bereit waren, ihr Wissen zu teilen.

 

Dieses Wissen wollte nun vor einem Jahr aufgeschrieben werden. Und auch hier hatte ich eigentlich erstmal überhaupt keinen Plan, wie man sowas angeht. Aber wie so oft habe ich dann einfach erstmal "so getan also ob". Mein Erfolgsrezept, wenn ich noch keinen wirklichen Plan habe. Ich habe irgendwie angefangen zu schreiben und aus diesem Tun kristallisierte sich langsam ein Konzept.

ich habe im Yogabereich schon mal ein Buch zusammen mit Anke Lütjens rausgebraucht. Buddha bei die Fische, welches im Schünemann Verlag erschienen ist. Aber da lief alles ganz ganz anders...

 


Ich wusste von damals, dass es ziemlich schwer war, einen Verlag zu finden, der das mit uns zusammen machen wollte. Darauf war ich eingestellt. Ich habe also ein sehr ausgiebiges Research betrieben. Wo gibt es ähnliche Bücher? Wer hat schon mal sowas verlegt oder geschrieben? Welche Schwerpunkte haben welche Verlage?

Am Ende hatte ich 5 Verlage, die in Frage kamen. Auf den Websites findet man i.d.R. sowohl den Ansprechpartner, als auch deren Wunsch, wie bei einer Bewerbung vorgegangen werden soll.

Jetzt hieß es, meine Arbeit dahingehend vorzubereiten oder abzuändern und dann gingen 5 kleine Exposés Ihren Weg in die Welt....

 

Mein Exposé bestand aus ein paar bereits gestalteten Seiten, bestehend aus Texten und Bildern. Dazu kam eine kurze Beschreibung des Konzeptes, eine ungefähre Inhaltsangabe und mein Lebenslauf, den ich ebenfalls in gezeichneter Form beigefügt habe.


Was dann kam, war echt krass. Damit hatte ich nicht gerechnet. Innerhalb von 2 Tagen hatte ich drei Zusagen. Anscheinend hatte ich mit diesem Konzept total ins Schwarze getroffen. Und wenn ich mal ehrlich bin: das stimmt. So ein Buch gab und gibt es auf dem ganzen Deutsch- und ich glaube auch Weltweiten Markt nicht. Es gibt natürlich schon Bücher über das Graphic Recording (aber auch nicht so viele) und beispielsweise Brandy Agerbeck hat bei Neuland auch ein ziemlich tollen Buch dazu veröffentlich. Aber ihr ist ihr Schwerpunkt ein anderer. Auch der Vater aller Graphic Recorder in Deutschland, Martin Hausmann hat schon einige Bücher veröffentlicht, z.B. UZMO- Denken mit den Stift. Aber auch hier unterscheiden sich die Inhalte deutlich von meiner Idee.


Der Schwerpunkt meines Buches soll die detaillierte Erklärung werden, was genau ein Graphic Recording ist, wie man es gut aufbaut und wo man es wie sinnvoll einsetzen kann. Es ist quasi eine Schritt-für-Schritt Anleitung für alle, die ein Graphic Recording selber anbieten möchten und auch für diejenigen, die diese Form der Dokumentation sinnvoll einsetzen möchten:

  • Voraussetzungen und organisatorische Vorbereitung: von der Auftragsklärung bis hin zu Soft Skills
  • Grundlagen zu Aufbau und Struktur eines Graphic Recordings
  • Überblick über die wichtigsten Konferenz-, Workshop- und Moderationsmethoden mit ihren jeweiligen Herausforderungen

Mein Ziel war es vor allem, den hohen Qualtitässtandard aufzuzeigen, den dieser Beruf mich sich bringt.


Was die Verlage vor Beginn einer potentiellen Zusammenarbeit wissen möchten sind aber noch nicht genau diese ausformulierte Schwerpunkte. Es darf zu diesem Zeitpunkt durchaus noch etwas diffuser sein.

So war es jedenfalls bei mir. Was ich jedoch zu diesem Zeitpunkt schon sehr klar wusste, war, was ich mit diesem Buch erreichen wollte (den Quallitätsstandard hoch halten) und welche Zielgruppe dieses Buch lesen würde (Graphic Recorder, nachrückende Illustratoren und potentielle Kunden).


Was nun folgte war meine Entscheidung für einen Verlag. Ich habe mich relativ schnell für den MITP Verlag entschieden, weil da schon so viele geschätzte Kollegen waren, wie beispielsweise Heidrun Künzel mit Ihrem Buch "Sketchnotes im Alltag" oder Heike Haas und Diana Meier-Soriat, die alle echt tolle Sachen machen. In diesem Kreis wollte ich mich bewegen. Meine Entscheidung viel also auf diesen Verlag und "meine" Lektorin wurde die inspirierende und sehr strukturierte Sabine Schulz.

 

Nach der Prüfung des Vertrages durch meine Anwätin und ein paar geringfügigen Änderungen in dem Standardvertrag fing also die Arbeit dann richtig an und in den folgenden Wochen habe ich dann die Geduld von Sabine Schulz mehrfach in Anspruch genommen, weil ich das Layout selber machen wollte. Das ist als Autorin nicht üblich, da die Verlage dafür extra Grafiker und Setzer eingestellt haben. Da das aber nun mal meine Ausbildung ist (ich habe Kommunikationsdesign studiert und jahrelang in Werbeagenturen als Graphic Designerin und Art Direktorin gearbeitet) und ich sowas wirklich sehr gerne mache, habe ich darauf bestanden. Wir haben also ein Vorgehen gesucht, der diese Extrawurst ermöglicht und schlussendlich auch gefunden.


Die Fleißarbeit: Nun folgten viele viele Stunden, Tage, Wochen, wo ich nur geschrieben habe, verworfen habe, Bilder rausgesucht und Rechte angefragt habe. Wo ich mit vielen Kollegen gesprochen habe, mir Rat geholt habe, wo ich nicht sicher war (beim Thema Visualisierung und Mediation zum Beispiel hat mir Andrea Rawandschad mit Rat und Tat zur Seite gestanden, die u.a. als Mediatorin diese Visualisierung nutzt). Wochen, in denen ich neu gezeichnet habe, und dann wieder alles von vorne neu umsortiert habe, um es nach ein paar Tagen wieder alles anders zu machen. Corona sei Dank, hatte ich genügend Zeit dafür. Für irgendwas muss dieser kleine fiese Virus ja gut sein...


Mit Sabine Schulz habe ich die Deadline im Sommer vereinbart, wo das Buch von meiner Seite aus komplett fertig an den Verlag übergeben werden soll. Sprich mit allen Texten, Bildern und den dazugehörigen Rechten und fertig gelayoutet. Eben alles.

Danach wurde von Seiten des Verlages nochmal richtig aufgeräumt und in die Ecken geguckt, nochmal umstrukturiert, ein paar wenige Seiten rausgenommen und durch andere ergänzt. Die saubere Struktur mit dem Inhaltsverzeichnis zum Beispiel hat Sabine Schulz am Ende fine getuned und damit für wesentlich mehr Übersichtlichkeit gesorgt. Ich durfte noch ein paar Checklisten und To-Do's ausarbeiten, damit angehende Graphic Recorder sich besser zurechtfinden und damit besser arbeiten können.

Martin Hausmann von bikablo hat mir am Ende auch noch ein paar wertvolle Tipps gegeben und langsam ging es nun dem Ende zu.

Mehr Zeit als erwartet ging noch drauf für den sauberen Satz und Textkorrekturen nach der aktuellen deutschen Rechtschreibung und der finalen Bearbeitung aller Bilder für den Druck. Mitte November war es dann wirklich fertig und konnte in den Druck gehen. Ich war freudig aufgeregt und auch ziemlich nervös. So ein Buch rausbringen fühlt sich für mich original so an, wie nackt in der Fußgängerzone stehen. Man macht nun alles sichtbar und alle haben die Möglichkeit, meine Arbeit von einem Jahr mit den Worten "wie scheiße ist das denn bitte geworden?" kaputt zu machen. Mein sonst ganz gesundes Selbstbewusstsein war hier echt auf dem Prüfstand.

 


Und dann...ganz plötzlich...war es tatsächlich fertig. Mein Wunschtermin vor Weihnachten konnte eingehalten werden und dann trudelten die ersten 40 Bücher bei mir ein. Und ich hatte das Werk von einem Jahr Arbeit und 15 Jahren Wissen auf einmal in den Händen....:-))))

Bis jetzt hat kein Mensch diesen gefürchteten Satz gesagt, im Gegenteil: sehr viele Kollegen und auch Kunden haben mich schon kontaktiert und mir gedankt und mich beglückwünscht. Ein wirklich tolles Gefühl nach dieser anfänglichen Angst und Unsicherheit! Vielen Dank dafür!


Danksagung

Außerdem danke allen, die diese Buch mit ermöglicht haben. In aller erster Linie natürlich meinen Kunden, Auftraggebern und Geschäftspartnern, die in den letzten 15 Jahren Graphic Recordings, Visual Facilitation oder strategische Bilder in Auftrag gegeben haben. Am Ende diesen Artikels findet Ihr eine beispielhafte Auswahl dieser Bilder.

 

Außerdem danke ich bikablo und den Kommunikationslotsen, von denen ich so viel lernen durfte, die mich geprägt und gefördert haben und in dessen Auftrag ich auch so viele Arbeiten umsetzen durfte.

 

Und ich danke natürlich auch allen Graphic Recordern, die mir bereitwillig Ihre tollen Werke zur Veröffentlichung bereitgestellt haben.

Danke Andreas Gärtner und die Zeichner, Till Laßman, Tanja Wehr, Mr. Maikel, Heidrun Künzel, Tobias Wieland, Yasmine Cordes, Gabriele Schlipf, Kirsten Reinhold, Romana Moser, Katja Reiter, Birgit Jansen, Desire van Dijk, Matthias Schwert, Heike Haas, Malte von Thiesenhausen, Marie Hübner und Marie Jacobi.

 

Wir sind eine großartige Community!




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